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Erzählkonzept - kurz zusammen gefasst!

Mein Erzählkonzept, kurz gefasst!

Für mein mündliches Erzählen gilt:Zusammen mit Vorschulkindern und/oder Grundschulkindern auf Augenhöhe und im Halbkreis.

Sorgfältig vorbereitete Umgebung (Bedingungen u. Rituale). Einfach strukturierte Geschichten.

Mit Bezug zur modernen, d.h. zeitgemäßen Kinderliteratur.

In langsamer, gut artikulierter Sprechweise und „leichter Sprache“. Zusammen mit „langsamen Bildern“. Zusammen mit „langsamen Gegenständen“ in übersichtlichen Arrangements.

Gut überschaubar für alle Kinder.

Mit Mitmach-, Mitsprech- und Mitgestaltungsmöglichkeiten für die Kinder Offen für neue Ideen von den Kindern.

IN SPRACHFÖRDERLICHER ABSICHT!

E-Mail: info@noch-eine-geschichte.de

 

Gespensterchen, Gespensterchen als PDF

Gespensterchen, Gespensterchen – sofort lesen

Gespensterchen, Gespensterchen (Mitsprechgeschichte) (von Claus Claussen unter Mitwirkung zahlreicher Kinder)

Anfang: Den Gong zwölfmal anschlagen, damit Mitternacht andeuten. Wenn die Gespensterchen nacheinander kommen, jeweils die Kinder mitzählen lassen. Vorher folgenden Text einüben:

Guck, vor meinem Fensterchen tanzt jetzt ein Gespensterchen (Die Kinder zeigen mit den Händen die Zahl) rauf und runter (Die Kinder führen alle Bewegungen aus) hin und her ringsherum, das ist nicht schwer. Hu! (Die Kinder rufen mit Nachdruck)

Dann wird nur die Zahl verändert: Guck vor meinem Fensterchen tanzen zwei Gespensterchen usw. bis zehn Gespensterchen.

Dann: Einmal den Gong anschlagen, die Geisterstunde ist zu Ende.

Dann flüstert eine Person den letzten Vers:

Guck vor meinem Fensterchen tanzt jetzt kein Gespensterchen, denn die sind, ach du Schreck… alle weg!

Und dann nochmal alle mit Nachdruck: Hu!

 

Der Löwe und die vier Mäuslein als PDF

Der Löwe und die vier Mäuslein – sofort lesen

Der Löwe und die vier Mäuslein (nach einer Äsop’schen Fabel)

Wenn der Löwe satt und müde war, schlief er im Schatten eines Baumes. Da raschelte es im Grase und vier Mäuslein kamen zu dem schlafenden Löwen. „Machen wir heute wieder unsere Mutprobe?“, sagte eins von ihnen, „dann bin ich Erster!“ „Und ich Zweiter!“, sagte das nächste. „Und ich Dritter!“, flüsterte das dritte. „Ich bin Vierter!“, sagte das vierte Mäuslein. „Und pscht, seid leise, sonst wacht der Löwe auf.“ Das erste Mäuslein lief den Löwenschwanz hinauf, lief über den Löwenpo, über den Löwenrücken, wühlte sich durch die Löwenmähne, rutschte über die Stirn zur Löwennase und sprang von dort ins Gras. „Geschafft!“ rief es. „Pscht!“ riefen die anderen, „pscht!“ Dann kam das zweite Mäuslein dran. Es lief den Löwenschwanz hinauf, lief über den Löwenpo, über den Löwenrücken, wühlte sich durch die Löwenmähne, rutschte über die Stirn zur Löwennase und sprang von dort ins Gras. „Geschafft!“ rief es. „Pscht!“ riefen die anderen, „pscht!“ Dann kam das dritte Mäuslein dran. Es lief den Löwenschwanz hinauf und über den Löwenpo. Als es auf dem Löwenrücken war, schnarchte der Löwe im Schlaf. Das Mäuslein bekam einen großen Schreck. Aber der Löwe wachte nicht auf…zum Glück.. Das Mäuslein wühlte sich durch die Löwenmähne, rutschte über die Stirn zur Löwennase und sprang von dort ins Gras. „Geschafft!“ rief es. „Pscht!“ riefen die anderen, „pscht!“ Aber dann war das vierte Mäuslein dran. Es lief den Löwenschwanz hinauf, lief über den Löwenpo, über den Löwenrücken und wühlte sich durch die Löwenmähne. Da machte der Löwe ein Auge auf. Es kitzelte ihn etwas. Als das Mäuslein oben an der Stirn war, machte er sein zweites Auge auf. Er schlug mit seiner Tatze zu und fing das Mäuslein. „So“, brüllte er, „du hast mich im Schlaf gestört und ich werde dich fressen.“ Das Mäuslein piepste voller Angst: „Bitte, bitte friss mich nicht, ich bin doch so klein.“ „Warum soll ich dich nicht fressen“, brüllte der Löwe. Das Mäuslein piepste: „Ich bin jetzt in großen Schwierigkeiten. Aber wenn du mich laufen lässt, dann werde ich dir auch helfen, wenn du in großen Schwierigkeiten bist.“ Der Löwe lachte laut und brüllte: „Du kleines Mäuslein willst mir großen Löwen helfen…wie soll das gehen?“ Aber er ließ das Mäuslein laufen. Es lief zu den anderen, zitterte und sagte: „Das ist ja grade noch mal gut gegangen!“ In der Nacht lief der Löwe in das Netz der Tierfänger. Sie fingen ihn und fesselten ihn mit dicken Seinen an einen Baum. Der Löwe konnte sich nicht befreien und brüllte laut um Hilfe.

Auf einmal raschelte es im Gras. Es waren die vier Mäuslein. Mit ihren spitzen scharfen Zähnen nagten sie an den dicken Seilen. Sie nagten und nagten bis das Seil riss. Der Löwe war frei, dehnte und streckte sich, aber dann neigte er seinen Kopf und brummte: „Danke!“ Die kleinen Mäuslein hatten ihm aus großen Schwierigkeiten geholfen, wie versprochen.

 

Die spannende Geschichte vom Sockenmonster als PDF

Das Sockenmonster – sofort lesen

Die spannende Geschichte vom Sockenmonster (erfunden und fürs Erzählen mit Bildern und Gegenständen eingerichtet von Claus Claussen)

So was kann jedem passieren. Ein Paar Socken fehlt…oder nur der linke oder der rechte Socken ist noch da und der andere fehlt. Wenn mir das passiert, dann frag ich mich, ob ich sie verlegt habe und suche sie. Oft finde ich sie nicht, die fehlenden Socken. Dann denke ich mir aus, dass möglicherweise die Waschmaschine Socken frisst. Die Waschmaschine, das kann doch gar nicht sein.

Oder ich habe den Verdacht, dass ein Sockenmonster meine Socken klaut. Ein Sockenmonster? So was gibt es doch gar nicht, oder. Ein Sockenmonster!

Ist euch denn auch schon mal ein Socken verschwunden? Ist euch auch schon mal eine Geschichte mit einem Sockenmonster passiert? Vielleicht war auch nur ein Strumpf weg. Einfach weg?

Sophie sagt: „Mir ist das noch nie passiert!“ Alexander sagt: „Ja, schon ein paarmal! Corinna sagt: „Mir ist das auch schon passiert!“ Ines lacht: „Meiner Mama ist schon ein paarmal passiert.“

Sockenmonster wollen nur Socken. Sockenmonster verstecken nämlich Socken. So gut, dass sie niemand mehr findet…also wirklich niemand. Und die Sockenmonster können sich selber auch gut verstecken. Niemand kann sie finden. Manchmal liegen sie in der Sockenschublade im Schrank und sehen aus wie normale Socken.

Sehen wir uns doch mal einen Karton mit vielen Socken an. Viele Paare, große, kleine, dicke, dünne, ganz bunte, solche für den Winter, solche für den Sommer, einfarbige und bunte Socken, aber immer zwei Stück. Seht ihr ein Sockenmonster? Nein?

Also, jetzt geht die Geschichte vom Sockenmonster richtig los. Mit einem kleinen Mädchen namens Elena.

Eines Morgens, als die Mama nach ihr sieht, sitzt sie da und guckt ganz traurig. „Guck mal!“ sagt sie, „Schon wieder fehlen mir Socken. Der eine blaue mit den grünen Punkten und der andere mit den gelben und roten Streifen. Ich hab nur noch einen von jedem und dabei habe ich doch zwei Füße. Ich brauche doch zwei!“

Mama sagt: „Wo sind denn die anderen Socken…die müssen doch irgendwo sein?“ Elena sagt: „Ich habe schon überall nachgesehen!“ Mama sagt: „Du hast bestimmt nicht überall gesucht!“ Und Elena sagt: „Doch überall!“ Aber dann fangen sie nochmal an, überall zu suchen. Und wieder finden sie keinen einzigen Socken.

Elena sagt: „Vielleicht hat unsere Waschmaschine Hunger und frisst Socken. Dann können wir lange suchen.“ Aber Mama widerspricht ihr: „Unsere Waschmaschine frisst bestimmt keine Socken. Ich denke, es ist doch ein Sockenmonster in unserer Wohnung!“ „Jetzt krieg ich aber Angst und fürchte mich“, sagte Elena. „Also“, meint ihre Mama, „vor einem Sockenmonster brauchst du dich nicht zu fürchten, das will nur Socken und sonst gar nichts!“

Elena hat eine Idee: „Wir könnten das Sockenmonster fangen, oder?“ Mama und Elena überlegen, wie das gehen kann. Am Tage sieht man nie Sockenmonster. Aber nachts! Und zwar genau dann, wenn die Gespensterchen schlafen gehen. Nachts um eins, wenn die Turmuhr einmal schlägt.

Mama und Elena hängen ganz listig drei Paar Socken auf die Leine. Damit wollen sie das Sockenmonster fangen. Am Abend wollen sie warten, bis das Sockenmonster kommt. Bis 10 Uhr schaffen sie es, wach zu bleiben, aber dann schlafen sie beide ein. Im tiefen Sessel. Neben dem Sessel leuchtet nur noch ein ganz kleines Lämpchen. Es ist fast dunkel. Mama liegt unten, Elena liegt auf ihrem Bauch. Sie merken gar nichts. Auch nicht als die Turmuhr einmal schlägt. Auch nicht, als auf einmal das Sockenmonster kommt.

Ihr werdet es nicht glauben. Es kommt direkt aus der Sockenschublade…es entfaltet sich aus einem großen Männersocken, der noch niemand aufgefallen ist. Es reckt sich und streckt sich. Es freut sich, dass auf der Leine so viele Socken hängen, holt sich drei verschiedene, lässt aber auch drei verschiedene hängen.

Das Sockenmonster brummt und knurrt vor Behagen, schnuppert an den Socken, freut sich, dass die gut duften und legt sie in einen kleinen Kasten unter der Sockenschublade. Ah, was für schöne weiche Socken, ah, wie gut die duften…da will ich drauf schlafen…

Plötzlich wachen Mama und Elena auf, sehen das Sockenmonster und schreien laut auf: „Halt, jetzt haben wir dich…was willst du mit unseren Socken machen? Willst du die fressen?“

„Nein“, brummt das Sockenmonster erschrocken. „Ja, aber was machst du damit?“ „Ich lege sie in einen Kasten. Sie sind so schön weich und duften so gut und frisch…ich will nur drauf schlafen, weil sie so schön weich sind,“ sagte das Sockenmonster.

„Aber hallo!“ rufen Elena und Mama gleichzeitig, „das haben wir ja gar nicht gewusst. Kannst du denn auch auf einem schönen warmen Handtuch schlafen, wenn wir dir eins geben?“ „Na klar“, sagt das Sockenmonster, „wenn es schön warm ist und ganz frisch duftet.“ „Lässt du dann unsere Socken in Ruhe?“ fragen Elena und Mama. „Ja, ganz bestimmt“, meint das Sockenmonster.

Auf einmal aber lässt es seinen Kopf hängen und brummt: „Ab er jetzt habe ich erst mal ganz dollen Hunger.“

Mama und Elena gucken ganz erstaunt. Sie wollen sofort wissen, was so ein Sockenmonster frisst. „Ich fresse für mein Leben gern Kügelchen aus weißem Küchenkrepp“, brummt es, „ganz viele!“

Da laufen Mama und Elena schnell in die Küche, holen weißen Küchenkrepp, reißen kleine Stücke ab und drehen daraus Kügelchen.

Das Sockenmonster kommt zu ihnen und sperrt sein großes Maul auf. Es frisst so viele Kügelchen, wie es kriegen kann. Elena und Mama können es kaum glauben. Dann stöhnt es: „Jetzt bin ich satt, danke.“ Es läuft zum Kasten mit dem warmen Handtuch, rollt sich zusammen und schläft ein.

Und nun ist endlich Ruhe…und Schluss.

 

Das Salatmonster als PDF

Das Salatmonster – sofort lesen

Das Salatmonster (von Anne Malz und Claus Claussen)

Anne geht oft mit Opa in den Garten. Vor allem im Frühling, wenn die Sonne scheint und die Luft warm ist. Wenn auf den Beeten der leckere grüne Salat wächst. Anne hilft Opa, wenn er die kleinen grünen Salatpflänzchen einsetzt, die er in der Gärtnerei gekauft hat Wenn sie beide dann die Pflänzchen mit Wasser aus der Gießkanne gießen, werden aus den kleinen Pflänzchen dicke Salatköpfe. Und dann gibt’s immer grünen Salat mit Kräutern zum Essen. Salat ist ja so gesund.

Manchmal geht Anne auch ganz allein in den Garten und sieht nach, wie groß die Salatköpfe schon sind. Und neulich – denkt nur – kommt Anne aus dem Garten zurück und ist ganz aufgeregt. Auf den zwei Salatbeeten fehlen sechs Salatköpfe – denkt nur – sechs Salatköpfe…und auch noch von den dicksten. Opa ist entsetzt. „Wer war das? Wer hat die Salatköpfe geklaut…und wir wollten doch am Sonntag wieder frischen Salat aus unserem Garten essen!“ Anne weiß es auch nicht – sie hat keine Ahnung.

Kaum ist es am nächsten Morgen hell genug, rennt Anne wieder in den Garten und guckt nach den Salatköpfen. Es fehlen noch mehr! Jetzt sind es schon zehn! Der Nachbar Hugo und die Nachbarin Ines schimpfen laut in ihren Gärten herum, weil Salatköpfe fehlen: „Jetzt möchte ich doch mal wissen, wer immer die Salatköpfe klaut, wenn ich den erwische…!“ meint Nachbar Hugo. Der Nachbarin Ines fehlen auch noch vier Gurken aus ihrem Glashaus. Sie schimpft: „Vielleicht fehlt ja noch mehr und wir wissen es noch gar nicht!“

Anne überlegt den ganzen Tag lang. Am Abend hat sie eine Idee. „Ich werde heute Nacht im Garten schlafen. Natürlich in meinem neuen Zelt. Ich nehme meine Taschenlampe mit und passe ganz doll auf. Vielleicht erwische ich nachts den Salatdieb.“

Opa wundert sich, aber er hat nichts dagegen. Und Oma auch nicht, denn Anne hat schon ein paarmal in ihrem Zelt draußen übernachtet und sich überhaupt nicht gefürchtet. Mama und Papa haben auch nichts dagegen. Am Abend baut Opa das Zelt auf. Anne legt sich mit ihrem warmen Schlafsack ins Zelt und legt die Taschenlampe neben sich. Anne legt sich so ins Zelt, dass ihr Kopf vorne am Zelteingang liegt. Sie will ganz schnell rausgucken können, wenn sie was hört. Den Reißverschluss vorne am Zelt zieht sie auch nicht zu. Dann wird Anne schnell müde und schließt ihre Augen. Sie schläft tief und fest.

Doch dann…mitten in der Nacht…da raschelt was…da schmatzt was…ganz laut und deutlich…und Anne wird wach und hellhörig.

Ganz leise greift sie nach der Taschenlampe und guckt ganz vorsichtig vorne aus dem Zelt. Ein Schatten…es schmatzt…auf dem Salatbeet. Anne knipst die Taschenlampe an. Da…da ist es…mitten auf dem Salatbeet. Gar nicht groß, grün, mit weißen Zähnen. Anne denkt: Ein Salatmonster! Und dann schreit sie ganz laut, wackelt mit der Taschenlampe und krabbelt samt ihrem Schlafsack aus dem Zelt heraus. Blitzschnell ist das Salatmonster verschwunden. Und Anne?

Die rennt so schnell sie kann aus dem Garten hinauf ins Haus, weckt alle auf, den Opa, die Oma, die Mama und den Papa. „Ich hab‘s gesehen…ich hab’s gesehen!“, ruft sie. „Ich habe das Salatmonster gesehen!“ Aber niemand glaubt ihr. Ein Salatmonster…so was! Und wisst ihr was? Auf einmal ist Anne sehr müde und schläft auf dem Sofa ein.

Am nächsten Morgen gibt es überall große Aufregung. In allen Gärten fehlen schon wieder die schönsten Salatköpfe. Opa regt sich auf. Oma regt sich auf. Nachbar Hugo regt sich auf. Nachbarin Ines regt sich auf. Sie alle rufen nach der Polizei.

Wachtmeister Eckert kommt mit Blaulicht und Polizeisirene angefahren. „Wer hat was gesehen?“ „Ich,“ sagt Anne, „es war ein Salatmonster!“ „Dann wollen wir mal ein Phantombild machen“, sagt der Wachtmeister Eckert und holt seinen Computer aus der Tasche. „Was hast du gesehen!“ Anne überlegt ganz genau. „Es sieht aus wie ein sehr großer Salatkopf.“ „Hat es Augen?“ „Ja, zwei, oben am Kopf.“ „Hat es Haare?“ „Ja, ganz wenige, oben auf dem Kopf.“ „Hat es eine Nase?“ „Nein!“ „Hat es Ohren?“ „Nein.“ „Hat es einen Mund?“ „Ja, es hat ein großes Maul mit vielen weißen Zähnen! Und dann hat es noch zwei Beine, die sehen aus wie Gurken. Und die Schuhe sehen aus wie Kartoffeln.“ „Moment, Moment“, sagt das Wachtmeister Eckert, „ich komme ja kaum noch mit“ und klickt wie wild auf seinem Computer rum. „Ja, und dann hat es noch zwei Arme, die sehen wie Gurken aus…und Hände hat es, die sehen aus wie Karotten…mit vier Fingen. Ja, so sieht es aus.“

Als Wachtmeister Eckert sein Phantombild auf dem Computer fertig hat, staunen alle. „Oho!“ rufen sie und “Aha!“

So ein Salatmonster, das allen Salat auffrisst. Nachts! Sie wollen es vertreiben, sonst bleibt ja kein Salat für sie mehr übrig.

Und sie verabreden sich: Heute Nacht schlafen wir alle in unseren Gärten. Wir nehmen unsere Taschenlampen mit und rollen uns in warme Decken ein. Wir sind mäuschenstill und bleiben wach. Wenn das Salatmonster kommt, dann hören wir, wie es schmatzt. Egal in welchem Garten! Dann knipsen wir alle unsere Taschenlampen an und schreien so laut, wie wir nur können. Dann kriegt es einen Schreck und läuft weg. Und genau so machten sie es. Mitten in der Nacht, als es mäuschenstill war, hörten die Leute das Salatmonster auf einmal laut schmatzen, knipsten alle auf einmal ihre Taschenlampen an und begannen so laut zu schreien, wie sie nur konnten. Genauso!

Das Salatmonster bekam einen Riesenschreck, blieb noch einen Augenblick stehen. Alle konnten es genau sehen, aber dann rannte es weg mit seinen Gurkenbeinen und seinen Kartoffelfüßen…und kam nie wieder. Da war eine große Freude in allen Häusern und Gärten. Alle Leute, die dort wohnten, feierten eine große Salatmonster-Party. Und was gab es zu essen? Ist doch klar: Große Schüsseln mit frischem grünen Salat, was denn sonst. Und noch was: Glücklicherweise hat Anne die ganze Geschichte aufgeschrieben, sonst hätte ich sie euch gar nicht erzählen können.

 

Das Kleiderbügelflügelmonster als PDF

Das Kleiderbügelmonster – sofort lesen

Hallo, liebe Kinder!

Ich bin heute wieder euer Geschichtenerzähler und habe meine große Erzählkiste mitgebracht. In meiner Geschichte gibt es eine seltsame Familie. Weil sie nämlich aus meiner Kiste kommt, heißt sie die Familie Kiste. Die Familie Kiste wohnt in einem schönen hohen Haus mit einem roten Dach.Es hat ein Erdgeschoß, einen ersten Stock und einen zweiten Stock und dazu noch einen großen Dachboden unter dem roten Dach.Es steht natürlich in der langen Kistenstraße und hat die Nummer 231.Die ist ganz einfach zu finden. Man geht einfach bei der Nummer 1 los, läuft eine Viertelstunde lang, dann kommt man an die Nummer 231…so geht das.

Zur Familie Kiste gehört der Vater Kiste und natürlich auch die Mutter Kiste.Die vier Kinder rufen sie Mama oder Papa.Und die vier Kinder haben auch ganz normale Namen.

Sie heißen Laura Kiste, Leni Kiste, Kai Kiste und Kevin Kiste.Ihr könnt auch gleich sehen, was ihre Lieblingsfarbe ist, oder?

Die Lieblingsfarbe von Laura Kiste ist rot.Die Lieblingsfarbe von Leni Kiste ist gelb.Die Lieblingsfarbe von Kai Kiste ist grün.Die Lieblingsfarbe von Kevin Kiste ist blau.

Und die Lieblingsfarbe von Mama Kiste ist lila…,genau.Und die Lieblingsfarbe von Papa Kiste ist…, na ja, sagen wir mal orange.

Und das Schönste ist: Alle haben auch ein T-Shirt in ihrer Lieblingsfarbe. Ich habe sie mal alle mitgebracht und ihr könnt mir gleich sagen, welches T-Shirt wem gehört. Also…das rote, das blaue, das gelbe, das grüne, das orange und das lila …richtig.Im Frühling, wenn es draußen nicht mehr so kalt ist, holte die Familie Kiste alle T-Shirts aus den Schränken. Sie tragen sie jeden Tag.Weil aber die T-Shirts schnell ein bisschen schmutzig werden, müssen sie alle gewaschen, auf die Wäscheleine gehängt und getrocknet und abends wieder reingeholt und in die Schränke gelegt werden.

Das kennt ihr ja auch!Und was meint ihr?Wer hat die T-Shirts gewaschen?Die Mama Kiste oder der Papa Kiste oder beide?

Und wer die T-Shirts auf die Wäscheleine gehängt hat?Die Mama Kiste oder der Papa Kiste oder beide?Und wer die T-Shirts abends wieder reingeholt und in die Schränke gelegt hat?Der Papa Kiste oder die Mama Kiste oder beide?

Ich will es euch sagen: abends reingeholt hat die T-Shirts entweder die Laura oder die Leni oder der Kai oder der Kevin.So war das und immer ist es gut gegangen. Aber dann kam ein Freitag, an dem sehr viel los war. Das Raushängen hat ja noch geklappt.

Das hat Papa Kiste gemacht. Doch dann? Alle haben das Reinholen vergessen, irgendwie hat niemand dran gedacht.Und am nächsten Morgen ging es los. Die Laura rief im ganzen Haus herum: „Ich kann mein T-Shirt nicht finden!“Die Leni rief im ganzen Haus herum: „Ich kann mein T-Shirt auch nicht finden!“

Der Kai brüllte aus seinem Zimmer: „Ich finde mein T-Shirt nicht!“Und der Kevin brüllte aus dem gleichen Zimmer: „ Ich kann mein T-Shirt auch nicht finden, wo ist mein T-Shirt.

Und ihr werdet es nicht glauben, Papa Kiste und Mama Kiste fanden ihr T-Shirt auch nicht.Zuletzt standen sie alle vor dem Haus und schimpften laut: Wo sind unsere T-Shirts?

Papa Kiste meinte dazu: „Das gibt es doch gar nicht, die müssen doch irgendwo sein. Ich glaube, wir haben bloß nicht richtig gesucht.Ich mache einen Vorschlag: Jeder sucht nochmal ganz genau in seinem Schrank, ob die T-Shirts wirklich alle weg sind.

Alle wollten mithelfen. Nach kurzer Zeit waren alle wieder da: „Wir haben nichts gefunden, wo sind bloß unsere T-Shirts.“Dann geht Papa Kiste selber noch mal los. Laut geht er die Treppe hoch, laut schlägt er die Türen. Rumpel-Pumpel!Und laut ruft er: „Jetzt bin ich im ersten Stock. Nichts! Rumpel-Pumpel. Jetzt bin ich im zweiten Stock. Nichts!“

Mama Kiste ruft von unten:„Warst du schon auf dem Dachboden?“ „Nein!“„Nein?“

Papa Kiste ruft laut: „Dann geh ich jetzt auf den Dachboden!“Rumpel…Pumpel.

„Nanu, da steht ja ein alter Schrank…den hab ich noch nie gesehen. Die Türe geht schwer auf…oho, oho, da hängen sie alle, alle T-Shirts hängen im Schrank. Ich bringe sie alle mit.“Und schon kommt Papa Kiste mit allen Lieblings-T-Shirts wieder aus dem Haus. Alle freuen sich und überlegen: Wie sind die ganzen T-Shirts in den alten Schrank auf dem Dachboden geraten? Wer hat die da hingehängt, wer hat die da versteckt. Papa Kiste sagt: „Ja, das wüsste ich auch gerne.“Aber auf einmal schlägt er sich mit der Hand vor die Stirn und ruft: „Aber halt, da hat ja noch was drin gehängt im Schrank, so was Buntes!“

Was soll denn das gewesen sein?Und plötzlich…es brummt, es zischt…es erscheint ein großes seltsames Tier…bunt, mit Flügeln und einem wilden Gesicht. Es hängt sich oben ans Haus und brüllt mit lauter und tiefer Stimme: „Ich bin das Kleiderbügelflügelmonster!“Alle rufen: „Bitte nicht so laut, sonst haben wir Angst! Wer bist du?“Da brüllt das seltsame Tier etwas leiser: „Ich bin das Kleiderbügelflügelmonster!“

„Und was hast du nur mit unseren T-Shirts gemacht?“Da ruft das seltsame Tier noch etwas leiser: „Ich habe sie in den alten Schrank gehängt in dem ich wohne.“„Wolltest du sie ganz für dich haben?“

„Nein!“„Wolltest du sie alle auffressen?“„Nein!“

„Wolltest du sie zerreißen?“„Nein!“„Wolltest du dich damit zudecken?“

„Nein!“„Aber sag doch mal, Kleiderbügelflügelmonster, was wolltest du denn damit?“Ihr habt sie doch draußen auf der Wäscheleine vergessen!

Ich habe sie für euch aufgehoben, ich habe sie gerettet!Vielleicht hätte sie ja ein Dieb geklaut.Und wenn es geregnet hätte, dann wären sie nass geworden.

Und wenn die Vögel drauf gemacht hätten, dann wären sie ganz fleckig geworden.Und wenn…Ja und dann habe ich sie alle in den alten Schrank oben im Dachboden gehängt.

Da riefen die Kinder: „Dann bist du ja gar kein böses kleines Kleiderbügelflügelmonster! Dann bist du ja ein richtig liebes kleines Kleiderbügelflügelmonster!“Und das kleine Kleiderbügelflügelmonster sagte: „Das sage ich doch die ganze Zeit!“

Und Papa Kiste fragte es: „Möchtest du denn gerne bei uns bleiben?“„Ja“, sagte da das kleine Kleiderbügelflügelmonster. „Weißt du was?“ sagte da Papa Kiste, „du bekommst jetzt einen richtig guten Job in unserem Hause. Du kannst für uns alle auf die Kleider aufpassen und sie in die richtigen Schränke hängen, falls wir sie draußen vergessen.

Da waren alle froh, die ganze Familie Kiste.So kam es, dass die Familie Kiste in der Kistenstraße ein richtiges kleines Kleiderbügelflügelmonster in ihrem Haus hatten, das auf die Kleider aufpasste.Und: Wenn ihr auch ein kleines Kleiderbügelflügelmonster haben wollt, das auf eure T-Shirts und Hemden und Hosen und Kleider aufpasst, dann müsst ihr euch eben eins basteln und in euren Kleiderschrank hängen, mitten zwischen die vielen anderen Kleiderbügel.

Auf geht’s!

Claus Claussen

 

Das Karottenauto als PDF

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Es waren einmal zwei überaus abenteuerlustige große grüne Heuhüpfer. Der eine hieß Wilhelm und die andere Elisabeth. Jeden Tag im Jahr (natürlich nicht im Winter) hüpften sie in großen Sprüngen über die grüne Wiese. Sie hatten nämlich große grüne Sprungbeine, die knipsten laut, wenn sie lossprangen. „Knips! Knips!“ Und schon sprangen sie hoch in die Luft. Elisabeth… und Wilhelm auch. Dann landeten sie auf dem Boden. Sie hatten auch große Flügel. Mit denen konnten sie ein Stück fliegen. „Purr, purr, purr“ flogen sie dahin. Dann landeten sie auch wieder auf dem Boden. Manchmal sprangen sie hoch, „knips“…“knips“ , flogen oben in der Luft weiter, „purr, purr“…aber landen mussten sie immer wieder. Eines Tages landeten sie nach einem ziemlich großen Sprung genau neben einer schönen großen orangefarbenen Karotte. Die lag einfach so da. Mitten in der Wiese. „O“, sagte Elisabeth, „ siehst du auch, was ich sehe?“ „Ja“, antwortete Wilhelm, „wenn du eine Karotte siehst, dann sehe ich auch eine Karotte.“ Beide liefen um die Karotte herum und überlegten, was sie mit ihr machen könnten. „Wir können sie einfach liegen lassen und weiter hüpfen“, meinte Elisabeth. „Ach nein, das wäre doch schade“, sagte Wilhelm. “Wir könnten sie aufessen“, meinte Elisabeth. „Ach nein, das wäre mir doch zuviel, es ist eine große Karotte“, sagte Wilhelm. „Dann sag du doch mal was“, sagte Elisabeth. „Wir können aber auch neue Abenteuer mit ihr erleben“, entgegnete Wilhelm. „Und wie soll das gehen?“ fragte Elisabeth. „Bestimmt fällt uns etwas ein!“ rief Wilhelm. „Ich frage mal Kurt, den Mistkäfer, der hat eine Technik-Werkstatt und schraubt und bastelt und hämmert den ganzen Tag. Der schraubt und bastelt und hämmert glatt aus drei alten Käfern einen neuen.“ Gesagt und auch getan. Kurt, der Mistkäfer betrachtete die Karotte und hatte sofort eine Idee. Er holte aus seiner Werkstatt vier Räder und vier Achsen sowie seinen großen Werkzeugkasten. Dann fing er an, an der Karotte herum zu schrauben, zu basteln und zu hämmern. Nach kurzer Zeit stand vor Elisabeth und Wilhelm das schönste orangerote Karottenauto, das ihr euch denken könnt. „Großartig!“ riefen Elisabeth und Wilhelm gleichzeitig und „Danke, Kurt!“ Kurt der Mistkäfer sagte noch: „Gute Fahrt in eurem Karottenferrari“, und krabbelte zurück in seine Werkstatt. Wilhelm und Elisabeth stiegen abenteuerlustig wie immer auf ihr Karottenauto, Wilhelm hinten, Elisabeth vorne. Es sollte sofort losgehen. Aber das Karottenauto fuhr nicht. Elisabeth rief laut: „Brumm, brumm!“ Wilhelm rief noch lauter: „Brumm, brumm!“ Aber das Auto fuhr immer noch nicht.

„Kann es vielleicht sein“, fragte Elisabeth, „dass unser Karottenauto keinen Motor hat?“ Wilhelm dachte nach und meinte: „Das kann sein. Kurt, der Mistkäfer hat bestimmt keinen eingebaut. Wir hätten es ihm sagen müssen.“ „Und was machen wir jetzt?“ fragte Elisabeth. Wilhelm sagte nichts, ging aber um das Karottenauto herum und betrachtete es von allen Seiten. „Hilf mir mal beim Schieben“, bat er Elisabeth. Elisabeth half schieben. Sie schoben das Auto ein Stück vorwärts. Es rollte gut. Sie schoben es wieder ein Stück rückwärts. Es rollte gut. „Das bringt doch nichts“, rief Elisabeth. Wilhelm hatte eine Idee. „Wir setzen uns drauf und bewegen unsere Flügel. Vielleicht können wir mit dem Karottenauto fliegen, oder?“ Elisabeth sah Wilhelm fast böse an und zischte: „Das Karottenauto ist ein Fahrzeug und kein Flugzeug…und außerdem ist es zu schwer für uns. So ein Unsinn!“ Wilhelm sagte nichts mehr. Auf einmal rief Elisabeth; „Jetzt habe ich eine Idee…Seifenkisten…ja, so geht es.“ „Was geht so?“ fragte Wilhelm verblüfft. „Ich erklär’s dir“, freute sich Elisabeth, „Seifenkisten haben doch auch keinen Motor. Man zieht sie einen hohen Berg hinauf, setzt sich drauf und fährt runter.“ „Ich verstehe“, brummte Wilhelm, „aber ob das geht!“ „Das Karottenauto rollt so gut“, freute Elisabeth sich schon wieder. „Du meinst?“ „Ja, ich meine!“ Wilhelm und Elisabeth schoben das Karottenauto auf den nächsten hohen Berg. Das dauerte ziemlich lange und als sie endlich oben ankamen, waren sie beide fix und fertig. Von dort führte eine lange, lange, lange Straße weit hinunter ins Tal. Sie stiegen beide auf ihr Karottenauto. Elisabeth vorne und Wilhelm hinten. Beide schubsten das Karottenauto an. Elisabeth mit ihrem linken Hinterbein und Wilhelm mit seinem rechten Hinterbein…“knips…knips!“ O, wie schön. Das Karottenauto begann zu rollten und rollte und rollte langsam den Berg hinunter. Elisabeth freute sich und Wilhelm jubelte. Als sie eine Weile gerollt waren, sagte Elisabeth: „Wilhelm, können wir mal anhalten?“ Wilhelm sagte: „Nö!“ „Kann es vielleicht sein“, fragte Elisabeth, „dass unser Karottenauto keine Bremse hat?“ Wilhelm dachte nach und meinte: „Das kann sein. Kurt, der Mistkäfer hat bestimmt keine eingebaut. Wir hätten es ihm sagen müssen.“ „Und was machen wir jetzt?“ fragte Elisabeth. „Wir rollen einfach weiter“, sagte Wilhelm, „mal sehen, was passiert!“ Das Karottenauto rollte ein wenig schneller, denn die Straße wurde ein wenig steiler. Elisabeth freute sich und Wilhelm jubelte. Doch plötzlich stand mitten auf der Straße ein ziemlich dickes Schwein. Es beugte seinen Kopf hinunter und sperrte sein großes breites Schweinemaul auf, denn es hatte die schöne große orangerote Karotte gesehen und wollte sie fressen. Die beiden grasgrünen Heuhüpfer hatte es gar nicht gesehen. Das Karottenauto rollte genau auf das große breite Schweinemaul zu. Glücklicherweise fiel Elisabeth noch etwas vom Schlittenfahren ein. „Bahn frei! Kartoffelbrei!“ schrie sie laut und Wilhelm, dem genau das Gleiche eingefallen war, schrie auch „Bahn frei! Kartoffelbrei“ Das dicke Schwein bekam einen großen Schreck, machte sein großes breites Schweinemaul zu und hob den Kopf. Gerade noch rechtzeitig, zum Glück, denn das Karottenauto rollte genau zwischen seinen Vorderbeinen und dann zwischen seinen Hinterbeinen hindurch die Straße hinunter…“Züsch!“ „Gut gegangen!“ rief Elisabeth und Wilhelm nickte stumm, was Elisabeth aber nicht sehen konnte, weil er hinter ihr saß. Doch plötzlich stand mitten auf der Straße eine ziemlich große Kuh. Sie beugte ihren Kopf hinunter bis auf die Straße und sperrte ihr großes breites Kuhmaul auf, denn sie hatte die schöne große orangerote Karotte gesehen und wollte sie fressen.

Die beiden grasgrünen Heuhüpfer hatte sie gar nicht gesehen. Das Karottenauto rollte genau auf das große breite Kuhmaul zu. „Bahn frei! Kartoffelbrei!“ schrie Elisabeth laut und Wilhelm schrie auch „Bahn frei! Kartoffelbrei!“ Die große Kuh bekam einen Schreck, machte ihr großes breites Kuhmaul zu und hob den Kopf. Gerade noch rechtzeitig, zum Glück, denn das Karottenauto rollte genau zwischen ihren Vorderbeinen und dann zwischen ihren Hinterbeinen hindurch die Straße hinunter…“Züsch!“ „Wieder gut gegangen!“ rief Elisabeth und Wilhelm nickte stumm, was Elisabeth aber nicht sehen konnte, weil er hinter ihr saß. Doch plötzlich stand mitten auf der Straße schon wieder wer. Nämlich der große orangerote Karottenfresser. Er beugte seinen Kopf hinunter bis auf die Straße und sperrte sein großes breites orangerotes Karottenfressermaul auf, denn er hatte die schöne große orangerote Karotte gesehen und wollte sie fressen. Die beiden grasgrünen Heuhüpfer hatte er gar nicht gesehen. Das Karottenauto rollte genau auf das große breite orangerote Karottenfressermaul zu. „Bahn frei! Kartoffelbrei“ schrie Elisabeth so laut wie sie konnte und Wilhelm schrie auch „Bahn frei! Kartoffelbrei!“ Der große orangerote Karottenfresser bekam einen Schreck, machte sein großes orangerotes Karottenfressermaul zu und hob den Kopf. Gerade noch rechtzeitig, zum Glück, denn das Karottenauto rollte genau zwischen seinen Vorderbeinen und dann zwischen seinen Hinterbeinen hindurch die Straße hinunter…“Züsch!“ „Noch mal gut gegangen!“ rief Elisabeth und Wilhelm nickte stumm, was Elisabeth aber nicht sehen konnte, weil er hinter ihr saß. Jetzt wurde die lange Straße noch steiler und das Karottenauto rollte noch schneller. Weit unten im Tal konnten sie eine scharfe Linkskurve sehen. Als sie schnell hinunterrollten, fragte Elisabeth: „Wilhelm, können wir eigentlich lenken. Ich sehe gar kein Lenkrad?“ Wilhelm sagte gar nichts, aber er fing an zu schwitzen. Das konnte Elisabeth nicht sehen, weil sie vor ihm saß. „Kann es vielleicht sein“, fragte Elisabeth, „dass wir unser Karottenauto gar nicht lenken können?“ Wilhelm brummte: „Das kann sein. Kurt, der Mistkäfer hat bestimmt kein Lenkrad eingebaut. Wir hätten es ihm sagen müssen.“ „Und was machen wir jetzt?“ rief Elisabeth. Denn die Kurve kam immer näher. „Ich weiß es doch auch nicht“, schrie Wilhelm verzweifelt, denn er konnte hinter der Linkskurve einen unglaublich dicken Baum sehen. Aber dann fiel ihm was ein. „Wenn ich ‚Jetzt’ schreie, dann springst du nach links!“ Elisabeth nickte. Die Kurve kam schnell näher, das Karottenauto rollte immer schneller, dann war die Kurve da und Wilhelm schrie „Jetzt!“ Elisabeth sprang nach links, „knips“, mit ihren langen Hinterbeinen.

Und Wilhelm sprang nach rechts, „knips“, mit seinen langen Hinterbeinen. Und das Karottenauto? Das raste geradeaus weiter und krachte gegen den dicken Baum. Zack! Wilhelm und Elisabeth landeten im Gras, wunderbar sanft, wie immer. Als sich beide von ihrem Schreck erholt hatten, gingen sie zum dicken Baum und sahen nach ihrem Karottenauto. Da lagen die Achsen, da lagen die Räder, da lag ein großer Haufen Karottenmatsch…und da stand Kurt, der Mistkäfer und lachte. „Ich habe schon auf euch gewartet. Das musste ja so kommen. Von eurem dollen Karottenferrari ist nur noch Karottenketchup übrig. Den kann ich nicht mehr reparieren.“ Wilhelm war sprachlos und Elisabeth fand keine Worte. Kurt packte die Achsen und Räder und ging zurück in seine Technik-Werkstatt. Er sagte noch: „Wenn ihr wieder mal ein gutes Auto braucht, dann müsst ihr mir schon sagen, was ich alles einbauen soll. Ihr wisst ja, dass ich aus drei alten Käfern einen neuen zusammenschrauben kann.“ Wilhelm und Elisabeth aber wollten in der nächsten Zeit doch lieber nicht mehr Auto fahren. Kann man ja auch irgendwie verstehen, oder?

Claus Claussen

 

Claus Claussen – Die Zitrone und der Teufel als PDF

Die Zitrone und der Teufel – sofort lesen

Es war einmal ein Geschichtenerzähler, der reiste von Ort zu Ort und von Stadt zu Stadt und erzählte überall seine Geschichten. So kam er eines Tages auch in die große Stadt und erzählte dort auf dem Marktplatz spannende Geschichten. Alle Leute hörten ihm zu. Immer, wenn er aufhören wollte, riefen sie: „Nach eine Geschichte, erzähl uns noch eine Geschichte. Also erzählte der Geschichtenerzähler noch eine. So eine wie die mit der gelben Zitrone!

Die gelbe Zitrone hing nicht mit den anderen Zitronen an einem Zitronenbaum. Sie lag auch nicht mit anderen Zitronen in einer Zitronenkiste. Sie lag ganz allein auf einer schönen grünen Wiese unter dem blauen Himmel und war sauer. Sie war sauer, weil sie keine Freunde hatte. Niemand wollte mit ihr zusammen sein und niemand wollte mit ihr spielen. Je länger es dauerte, dass niemand mit ihr spielen wollte, desto saurer wurde sie. Zuletzt war sie so sauer, dass es schon richtig schlimm war.

Eines Tages kam ein kleines rotes Teufelchen aus seinem Erdloch auf die Wiese gehüpft, sah die einsame Zitrone und ging zu ihr hin. „Hallo, du da“, sagte es, „wie geht’s, wie steht’s?“ „Wer bist du?“ fragte die Zitrone, denn sie kannte keine kleinen roten Teufelchen aus Erdlöchern.“ „Ich bin das kleine rote Teufelchen“, sagte das rote Teufelchen „und ich komme direkt aus einem tiefen Erdloch! Wer bist du?“ Es kannte nämlich keine gelben Zitronen. „Ich bin eine gelbe Zitrone“, sagte die gelbe Zitrone. „Ich bin vielleicht sauer“, sagte die gelbe Zitrone ganz traurig, „ weil ich keine Freunde habe, mit denen ich spielen kann!“ „Was ist sauer?“ fragte das kleine rote Teufelchen, denn es kannte sich mit Zitronen gar nicht aus. „Ich will es dir zeigen“, sagte die gelbe Zitrone und weinte eine dicke Zitronensafttrauerträne. „Leck mal!“ sagte sie, „dann weißt du, was sauer ist.

Das kleine rote Teufelchen leckte die Träne ab…und im gleichen Augenblick verzog es sein Gesicht, schüttelte sich wie wild, sprang hin und her und schrie: „Igitt, igitt, igitt, das schmeckt ha fürchterlich. Das zieht mir ja den ganzen Mund zusammen.“ Und dann schüttelte es sich noch einmal. „Da hast du es, so sauer bin ich“, sagte die Zitrone ganz traurig.

Dem kleinen roten Teufelchen tat die sauere gelbe Zitrone leid. Aber sie gefiel ihm auch sehr, weil sie so schön gelb war. Sein Rot und ihr Gelb passten gut zusammen. Deshalb blieb es bei ihr auf der grünen Wiese. Sie spielten den ganzen Tag zusammen.

Meistens spielten sie Verstecken. Zuerst versteckte sich die gelbe Zitrone im Gras. Aber ein gelber Zipfel schaute heraus…und gleich hatte sie das kleine rote Teufelchen gefunden. Dann versteckte sich das kleine rote Teufelchen im Gras. Aber die Zitrone sah einen von seinen roten Füßen…und hatte es gleich gefunden. Gerne spielten sie auch Blindekuh. Das Teufelchen bekam die Augen mit einem Grashalm zugebunden und musste die Zitrone suchen. Weil sie aber so gut roch, fand es sie schnell. Dann bekam die Zitrone die Augen mit einem Grashalm zugebunden und musste das Teufelchen suchen. Weil es aber so schlecht roch, fand sie ihn auch ganz schnell.

Ein kleines Zeitchen später spielten sie Bockspringen, quer über die schöne grüne Wiese. Die gelbe Zitrone sprang über das rote Teufelchen, das rote Teufelchen über die gelbe Zitrone, die gelbe Zitrone über das rote Teufelchen und so weiter und so weiter und so fort. Danach spielten sie Fangen. Die gelbe Zitrone konnte schnell kullern. Das rote Teufelchen musste sich mächtig anstrengen, um sie zu fangen. Das rote Teufelchen konnte nämlich auch schnell rennen. Die gelbe Zitrone musste sich sehr anstrengen, um es zu kriegen.

Am liebsten aber sprangen sie Purzelbäume, immer ein paar hintereinander. So schnell wie die gelbe Zitrone war das Teufelchen nicht. Aber seine Purzelbäume sahen viel prächtiger aus: Rot…Schwarz…Rot…Schwarz…Rot…Schwarz. So schnell hintereinander. Was das schön auf der grünen Wiese. Bis zum Abend.

Am Abend sagte das kleine rote Teufelchen zur gelben Zitrone: „Tschüs, jetzt muss ich wieder in mein Erdloch zurück zu den anderen kleinen Teufelchen. Tut mir leid!“ „Ach wie schade“, seufzte die gelbe Zitrone, „kannst du nicht bei mir bleiben?“ „Nein, leider nicht, aber ich kann morgen wieder kommen“, meinte das kleine rote Teufelchen. „Au ja“, rief die gelbe Zitrone, „das ist schön, ich warte auch auf dich!“ Die ganze Nacht lang musste die gelbe Zitrone an das kleine rote Teufelchen denken. Kaum war die Sonne aufgegangen, kam das kleine rote Teufelchen aus seinem Erdloch heraus und sprang auf die Wiese. Die gelbe Zitrone freute sich sehr als sie es sah. Sie spielten den ganzen Tag miteinander. Und es war schön. Am Abend meinte das kleine rote Teufelchen: „Du, gelbe Zitrone, ich muss dir was sagen. Das Erdloch gefällt mir nicht mehr, ich bleibe bei dir auf der schönen grünen Wiese. Was sagst du dazu?“

Da weinte die Zitrone vor lauter Glück eine Zitronensaftfreudenträne und sagte zum Teufelchen: „Leck mal!“ Als das kleine rote Teufelchen sie ganz vorsichtig ableckte, rief es auf einmal: „Deine Träne schmeckt ja ganz süß, hmmmm, ganz süß!“ Da lachte die gelbe Zitrone und sagte: „Das kommt davon, dass wir jetzt Freunde sind. Wenn ich einen Freund gefunden habe, dann wird es mir ganz süß ums Herz.“

Das kleine rote Teufelchen und die gelbe Zitrone blieben die besten Freunde. Sie bauten sich mitten auf der Wiese ein schönes weiches Nest. Auf ein Stück Pappdeckel schreiben sie: „Hier wohnen die Zitrone und der Teufel!“ Sein Rot und ihr Gelb passten gut zusammen.

Und wenn ihr mal an der grünen Wiese vorbei kommt und den Pappdeckel seht, dann klopft an und sagt einen schönen Gruß von mir.

Zu dieser Geschichte: Sie ist anhand eines Arrangements zum Geschichtenerfinden (nach Gianni Rodari) in ihren Grundzügen von einem Jungen erfunden, zunächst von ihm erzählt und schließlich aufgeschrieben und seitdem mehrfach verändert und ergänzt worden.

Sie lässt sich als kleines Tischtheater inszenieren: Ein grünes Tuch wird zur Wiese, eine kleine Teufelsfigur (möglichst rotschwarz) und eine reale Zitrone werden zu Spielfiguren, die während des Erzählens entsprechend bewegt werden.

 

Claus Claussen – Der Hirsch und die Kröte

Der Hirsch und die Kröte – sofort lesen

Ein Hirsch ging im Walde spazieren und traf dort eine kleine braune Kröte. Eingebildet und hochnäsig wie er war, sah er sie ganz von oben herunter an und spottete: „Na, du kleine und hässlich-picklige Kröte, was hüpfst du da mit deinen kleinen Beinchen auf dem Boden herum? Sieh mich an! Ich bin groß und habe lange stattliche Beine. Ich kann ganz große Sprünge springen!“

Die Kröte ärgerte sich gewaltig und dachte ganz für sich: „Du dummer und arroganter Hirsch, dir wird’ ich’s zeigen.“ Sie sagte aber ganz höflich zu ihm: „Großer Hirsch mit langen stattlichen Beinen. Du kannst ganz große Sprünge springen. Aber täusche dich nicht. Auch die kleinen Tiere mit den kurzen Beinchen können sehr schnell sein. Wollen wir beide nicht mal um die Wette laufen?“

Erst lachte der Hirsch so, dass sein Geweih wackelte, aber dann sagte er: „Wenn du unbedingt willst! Einverstanden! Aber wundere dich nicht. Und noch was: Wann willst du mit mir um die Wette laufen?“ Morgen früh, wenn die Sonne aufgeht“, quakte die Kröte, „und wohin wollen wir rennen?“ „Von hier aus über die drei grünen Hügel bis auf den vierten Hügel, ganz hinten am Wald!“ sagte der Hirsch. „Dann bis morgen früh!“ quakte die Kröte. „Bis morgen früh!“ röhrte der Hirsch.

Abends rief die Kröte ihre vier Krötenschwestern zusammen und erzählte ihnen vom Wettrennen mit dem Hirsch am nächsten Morgen. Sie berieten lange und waren sich völlig einig, es dem hochnäsigen und großmäuligen Hirsch einmal richtig zu zeigen. Schon in der Nacht hüpften alle Krötenschwestern los und setzten sich oben auf den Hügeln ins grüne Gras. Die allerdickste der vier Krötenschwestern setzte sich auf den ersten Hügel, die mit dem breitesten Maul auf den zweiten, die mit den größten Augen auf den dritten und die mit den allerdicksten Pickeln auf den vierten. Dort warteten sie auf den Sonnenaufgang.

Als es hell wurde und die Sonnen endlich aufging, traf die kleine braune Kröte den Hirsch. Sie stellten sich nebeneinander hin…und der Hirsch röhrte: „Eins, zwei, drei …los!“ Dann sprang er so schnell davon, wie er nur konnte. Die kleine grün-braune Kröte jedoch blieb einfach sitzen.

Oben auf dem ersten Hügel blieb der Hirschstehen und röhrte: „Hö, Kröte, wo bleibst du?“ Da guckte die dickste aller Krötenschwestern aus dem Gras hervor und quakte: „Ich bin schon hier und warte auf dich!“

Wütend sah der Hirsch sie an…und merkte nichts. „Weitergelaufen!“ röhrte er, eins, zwei, drei, los!“ Er rannte wieder so schnell er konnte davon bemerkte nicht, dass die allerdickste Krötenschwester einfach sitzen blieb. Oben auf dem zweiten Hügel blickte der Hirsch zurück und schnaufte: „Hö, Kröte, wo bleibst du?“ Da guckte die Krötenschwester mit dem breitesten Maul aus dem Gras hervor und quakte: „Ich bin schon hier und warte auf dich!“

Der Hirsch sah sie wütend an…und merkte nichts. „Weitergelaufen!“ röhrte er, eins, zwei, drei, los!“ Er rannte wieder so schnell er konnte davon und bemerkte nicht, dass die Krötenschwester mit dem breitesten Maul einfach sitzen blieb.

Oben auf dem dritten Hügel blickte der Hirsch zurück und hechelte: „Hö, Kröte, wo bleibst du?“ Da guckte die Krötenschwester mit den größten Augen aus dem Gras hervor und quakte: „Ich bin schon hier und warte auf dich!“ Der Hirsch verzweifelte fast, barst vor Wut schier auseinander und röhrte mit letzter Kraft: „Weitergelaufen, eins, zwei, drei, los!“ Dann rannte er so schnell er noch konnte davon und bemerkte nicht, dass die Krötenschwester mit den größten Augen einfach sitzen blieb.

Oben auf dem vierten Hügel blieb der Hirsch außer Atem und mit zitternden Beinen stehen und röchelte: „Hö, Kröte, wo bleibst du?“ Da guckte die Kröte mit den dicksten Pickeln aus dem Gras hervor und quakte: „Ich bin schon hier und warte auf dich! Und außerdem habe ich den Wettlauf gewonnen!“

Da brach der Hirsch zusammen und wurde ohnmächtig. Als er wieder zu sich kam, schlich er beschämt und besiegt in den Wald zurück und versteckte sich lange in einem dichten Busch. Seitdem aber behandelt er die Kröten mit großem Respekt und verneigt sich vor ihnen, wann immer er sie trifft.

 

Claus Claussen – Aalfred

Aalfred – sofort lesen

Könnt ihr euch das vorstellen? Ein Aal im Wohnhaus? Im Badezimmer? In der Badewanne? Monatelang? Könnt ihr euch nicht vorstellen? War aber so! Genau so! Ich erzähl’s euch. Hört mal!

Übrigens: Oliver aus Dresden ist mein Zeuge. Der hat nämlich den Aal gefunden und mit nach Hause mitgenommen.

Es war einmal ein Aal, der schwamm in der Elbe. Es ging ihm richtig gut, denn er hatte von seinem Vater und den anderen Aalen gelernt, sich immer irgendwie durchzuschlängeln. Kein Fischer konnte ihn fangen. Kein Angler schaffte es, ihn an seine Angel zu bekommen. Der Aal schaffte es immer, sich bei ihnen vorbeizuschlängeln. Jeden Tag fraß er kleine Würmer, die er aus dem Schlamm der Elbe zog, ob sie wollten oder nicht, außerdem Mückenlarven, selbst kleine Fische…und war schon recht stattlich. So lang wie diese Schnur war er schon…vorne war er so dick, in der Mitte so dick und hinten nur ein bisschen dünner.

Doch eines Tages kam die große Flut. Die Elbe trat wochenlang über ihre Ufer und überschwemmte die Wiesen, die Straßen, die Dörfer und Städte, selbst den Dresdener Bahnhof und den Zwinger. Erst nach einiger Zeit floss das trübe Wasser wieder ins alte Flussbett zurück.

Der Aal war überall herum geschwommen, bis weit hinein in die Elbwiesen und hatte zuletzt in einem kleinen Tümpel gewohnt, wo es besonders leckere Würmer und Mückenlarven gab. Er bemerkte nicht, wie alles Wasser wieder abfloss…und als er es endlich kapierte, war es zu spät. Der Aal konnte nicht mehr aus seinem Wasserloch heraus schwimmen und in die Elbe zurück und, was noch viel schlimmer war, das Wasserloch trocknete nach und nach aus. Zuletzt lag der Aal nur noch in einer kleinen Pfütze und wusste wirklich nicht mehr weiter. „Was mach ich nur“, dachte er, „was mach ich nur.“

Es wäre ihm sicher schlimm ergangen, wenn nicht der kleine Oliver gewesen wäre. Oliver war ein kleiner Junge, der gerne in den Elbwiesen spielte. Eines Tages fand Oliver den Aal in seiner fast ausgetrockneten Wasserpfütze. Die Wasserpfütze war übrig geblieben von der großen Wasserflut…und mittendrin lag der Aal.

Das Wasser stand nur noch einen Zentimeter über dem Aal. Oliver rannte nach Hause, holte seinen blauen Eimer, lief damit zur Elbe, füllte ihn mit Wasser und goss es in die kleine Pfütze mit dem Aal…und noch einen Eimer voll und noch einen. „So, dass reicht erstmal“, meinte er, sah dem Aal eine Weile zu und rannte dann wieder heim. Sein großes Geheimnis! Sein Aal! Am nächsten Tag gleich nach der Schule sah er schon wieder nach dem Aal. Das Wasser war noch weniger geworden; der Aal guckte bereits mit dem Kopf über den Wasserspiegel. Oliver füllte seinen Eimer fünfzehnmal mit Elbwasser…und dann konnte sein Aal wieder ein bisschen herum schwimmen. Doch am nächsten Tag – es war inzwischen ziemlich warm geworden – lag der Aal fast auf dem Trockenen und Oliver blieb nichts anderes übrig, als ihn in seinen blauen Eimer voll Wasser zu heben. Das war gar nicht einfach. Obwohl er beide Hände nahm, glitschte der Aal immer wieder zurück in das fast ausgetrocknete Wasserloch. Endlich lag der Aal im Eimer. Doch auf den Gedanken, den Aal in die Elbe zu tragen, wäre Oliver nie gekommen. Schon immer hatte er sich ein Tier gewünscht…und jetzt hatte er endlich eins, das ihm gut gefiel…und das er aus großer Not gerettet hatte. Er trug den Aal im blauen Eimer nach Hause.

Als Oliver mit seinem blauen Eimer zu Hause ankam, war niemand da. Das fand der gut. Er ließ viel kaltes Wasser in die Badewanne und setzte den Aal hinein. Der fand das frische klare Wasser wunderbar und schwamm fröhlich Runde auf Runde…und Oliver sah ihm vergnügt zu. Da erscholl das feine Glockenspiel an der Kirche neben dem Haus – wie immer um Punkt 17 Uhr und Oliver sah etwas, was er kaum glauben konnte. Der Aal hob seinen Kopf aus dem Wasser und hörte zu, solange bis das Glockenspiel wieder aufhörte. Dann tauchte er wieder unter und schwamm weiter seine Runden. So ein Aal war das also, ein musikalischer Aal.

Als Olivers Eltern nach der Arbeit nach Hause kamen, gab es eine Riesenaufregung. Seine Mutter, die sich ein bisschen frisch machen wollte, kam mit einem lauten Schrei wieder aus dem Badezimmer: „Da schwimmt ein Aal in unserer Badewanne“, schrie sie, „wie kommt der dahin?“ Claus Claussen www.noch-eine-geschichte.de 3 Oliver wollte das gerade erklären, da lief sein Vater ins Badezimmer und rief fröhlich: „Jetzt haben wir endlich was Feines für Sonntag zum Essen…Aalsuppe… wollte ich schon lange mal essen!“ Mutter beruhigte sich wieder und wollte lieber „Aal grün“. Opa, der von nebenan reinschaute, schlug vor, den Aal zu räuchern. Er mochte halt Räucheraal lieber.

Oliver hörte diese Diskussion mit Entsetzen und widersprach heftig: „Keiner isst meinen Aal auf. Der Aal ist mein Freund, ich habe ihn auf den Elbwiesen vor dem Vertrocknen gerettet. Der soll mein Haustier bleiben…und übrigens ist er sehr musikalisch. Da erscholl das feine Glockenspiel an der Kirche neben dem Haus – wie immer um Punkt 19 Uhr. Der Aal hob seinen Kopf aus dem Wasser und hörte zu, solange bis das Glockenspiel wieder aufhörte. Alle staunten. „Na gut“, sagte Olivers Vater. „Einen musikalischen Aal soll man nicht aufessen, Der ist was ganz besonderes.“ Mutter stimmte zu. Oliver freute sich…und der Aal schwamm seine Runden. Nur Opa war noch nicht einverstanden: „Und wenn ich baden will…und ganz heißes Wasser brauche…das wird dem Aal aber nicht gefallen. Außerdem bade ich nicht zusammen mit einem Aal in der Wanne.“

Aber da wusste Oliver Rat. „Wenn jemand baden will, dann muss der Aal halt solange in meinen blauen Eimer, das geht schon, das ist er ja schon gewöhnt.“ Und er nahm den blauen Eimer, hielt ihn ins Wasser, rief „Ps, ps, ps“ und der Aal kam geschwommen, direkt in den Eimer hinein. Opa rief begeistert: „Ja, so machen wir es!“ Und alle waren zufrieden.

Am nächsten Tag aber gab es ein neues Problem. Jeder weiß, dass ein Haustier einen Namen braucht, mit dem man es rufen kann. Der Aal hatte aber noch keinen. Alle stritten sich heftig, doch sie konnten sich nicht einigen. Erst als Oliver seine Freunde auf der Straße fragte, hatte einer einen Vorschlag. „Ich kenn einen Namen, der könnte passen. Alfred! Was meint ihr?“ Oliver lachte laut: „Alfred, nö, aber Aalfred, das passt.“ Und alle waren zufrieden. Aalfred mochte seinen Namen. Denn wenn jemand laut „Aalfred“ in die Badewanne rief, dann steckte er den Kopf aus dem Wasser und guckte so, als ob es ihm recht wäre.

Bereits am nächsten Tag gab es schon wieder ein Problem. Niemand wusste, was Aalfred fraß. Aalfred musste doch was fressen, unbedingt. Vater erkundigte sich bei seinen Arbeitskollegen: „Würmer!“ sagten die, „wofür willst du das wissen?“ Oliver Vater verriet nichts und schwieg. Im Garten grub er nachmittags kleine Würmer aus und legte sie in eine Blechdose. Opa ging ins Zoogeschäft und erkundigte sich dort. Der Zoohändler meinte: „Mückenlarven, viele Mückenlarven!“ Opa kaufte eine ganze Blechdose voller Mückenlarven. Oliver fragte im Fischgeschäft nach: „Was fressen Aale?“ Die Fischverkäuferin sah ihn ungläubig an und brummte unwirsch: „Ich verkaufe Aale, frisch und geräuchert, aber ich füttere sie nicht…na ja, Fleisch fressen sie, was sie nur kriegen können.“ Oliver bedankte sich und kaufte dann bei der Metzgersfrau Hackfleisch, für 50 Cent. Die Metzgersfrau war sauer: „Darf’s vielleicht noch ein bisschen weniger sein?“ Aber Oliver schwieg und lief heim. Abends bekam Aalfred erst Würmer aus dem Garten, dann Mückenlarven aus dem Zoogeschäft und schließlich Hackfleisch von der Metzgersfrau. Ihr werdet es wieder mal nicht glauben: Aalfred fraß alles auf, wurde dick wie eine Wurst und konnte erst mal gar nicht mehr schwimmen. Aber er fühlte sich wohl. Jetzt war auch die Sache mit dem Fressen klar…Aalfred bekam abwechselnd Würmer, Mückenlarven und Hackfleisch und gedieh prächtig. Wollte jemand baden, musste er vorübergehend in den blauen Eimer und bekam anschließend frisches, klares und kaltes Wasser, eine ganze Wanne voll. Das gefiel ihm. Ertönte das Glockenspiel an der Kirche, hielt Aalfred den Kopf aus dem Wasser und hörte zu. Außerdem hörte er genau, wenn jemand „Aalfred“ rief oder „Ps, ps, ps!“ Dann kam er herbei geschwommen. Oliver war glücklich; er hatte ein Haustier. Das gefiel ihm gut.

Und so lebte Aalfred monatelang gut und zu aller Zufriedenheit in der Badewanne von Olivers Familie. Doch bald gab es wieder ein unerwartetes Problem: die Metzgersfrau. Sie gab solange keine Ruhe und fragte so neugierig nach, was denn Oliver mit solchen kleinen Portionen Hackfleisch machte („das gibt ja noch nicht mal eine anständige Bulette!“), bis endlich Oliver sich verriet und „Für Aalfred!“ sagte. Aber dann gab die Metzgersfrau erst recht keine Ruhe, bis endlich Oliver ihr verriet, dass Aalfred ein Aal sei, der in ihrer Badewanne lebe…seit langem schon. Aber nun ging es erst richtig los, denn die Metzgersfrau erzählte von Stund an jedem, der es hören und auch jedem, der es nicht hören wollte, dass da in der Nachbarschaft eine komische Familie einen Aal in der Badewanne halte. „Als Haustier…das muss man sich mal vorstellen.“

Bald redete das ganze Wohnviertel über Aalfred. Ein Zeitungsreporter hörte auch davon. Eines Tages klingelte er an Olivers Wohnung und sagte, er wolle ein Interview machen. „Mit Aalfred?“ staunte Olivers Mutter, aber da war er schon in der Wohnung und stellte tausend Fragen, betrachtete Aalfred in seiner Badewanne, sah, wie er und was er fraß, staunte, als Aalfred dem Glockenspiel zuhörte und dabei den Kopf aus dem Wasser hob, notierte sich Vieles auf seinem Zettel und ging wieder.

Zwei Tage später stand ein großer Bericht (dreispaltig) mit einer Riesenschlagzeile in den „Elbnachrichten“: „Aalfred in der Badewanne!“ und „Ungewöhnliches Haustier! Und „Weltsensation: Musikalischer Aal!“

Oliver freute sich, Opa freute sich, Mutter freute sich, selbst Aalfred freute sich, denn er bekam eine große Extraportion Mückenlarven, nur Vater gefiel die ganze Sache nicht. Er wurde irgendwie misstrauisch. Und er hatte Recht.

Drei Tage nach dem Zeitungsbericht stand ein grimmig dreinschauender Herr mit Brille vor der Wohnungstür und sagte: „Gestatten, Knickerich vom Umweltamt!“ Nur Opa war zu Hause. „Ja, bitte?“ fragte er. „Darf ich mal Ihren Aal sehen?“ „Ach, Sie haben auch schon davon gehört“, freute sich Opa und führte Herrn Knickerich zur Badewanne. Der betrachtete alles ganz genau, zog ein immer grimmigeres Gesicht und sagte schließlich: „Das Halten von Aalen in Badwannen ist verboten. Dieser Aal gehört in die Elbe. Basta!“ Opa erschrak…aber da war Herr Knickerich schon halb die Treppe hinunter und rief nur noch von unten herauf: „In drei Tagen komme ich wieder und überprüfe die Badwanne. Wenn der Aal dann noch drin ist gibt’s einen Riesenärger und wird auch noch ziemlich teuer.“

Als Oliver nach Hause kam, mit Hackfleisch, versteht sich, erzählte Opa ihm von Herrn Knickerich. Oliver wurde auf der Stelle sehr traurig. Als Vater und Mutter von der Arbeit kamen, trafen sie einen kleinen Jungen, der auf dem Sofa saß und heulte. Opa stand daneben und rang die Hände. Was sollten sie machen? Oliver wollte Aalfred verstecken…wenigstens fünf Tage lang. Opa war eigentlich auch dafür. Mutter wusste nicht so recht. Vater schimpfte erstmal eine Weile auf die Behörden und auf Herrn Knickerich. Ganz zuletzt aber sagte Oliver und wischte sich dabei die Tränen ab: „Ich kann Herrn Knickerich zwar nicht leiden, aber irgendwie hat er Recht.

Wir sollten Aalfred wieder in die Elbe setzen…er möchte bestimmt auch mal andere Aale treffen und nicht nur immer uns Menschen sehen, wenn wir von oben in die Badewanne gucken.“ Alle stimmten zu, nur Opa meinte noch: „Aber so pünktlich wie bei uns kriegt er in der Elbe keine Würmer, keine Mückenlarven und bestimmt kein frisches Hackfleisch.“

Am nächsten Tag, einem Samstag, konnte jeder sehen, wie Vater, Mutter, Opa und Oliver durch die Elbwiesen zur Elbe gingen. Oliver trug den blauen Eimer. Im Eimer krümmte sich Aalfred. Oliver konnte genau sehen, dass Aalfred viel dicker war, als er ihn seinerzeit gefunden hatte. Vorsichtig goss Oliver das Wasser aus dem blauen Eimer samt Aalfred in die Elbe…und Aalfred verschwand im ziemlich trüben Wasser. Eine ganze Weile standen die vier am Elbufer und waren schon ein bisschen traurig. Abends schrieb Oliver große Schilder. Opa nagelte sie auf lange Holzstangen. Dann gingen sie in der Dämmerung nochmals zum Elbufer und werkelten dort eine ganze Weile. Als am nächsten Tag, es war ein Sonntag, die Spaziergänger unten an der Elbe entlang wanderten, sahen sie alle hundert Meter ein großes Schild. Auf dem stand in großen Buchstaben und völlig fehlerfrei: „Aalfred angeln verboten!“ Und alle nickten und waren es zufrieden. Seitdem traut sich kein Angler mehr, dort Aale zu angeln. Er könnte sich großen Ärger bei den Leuten einhandeln. Und selbst, wenn es einer versuchte: Aalfred würde sich schon durchschlängeln, so wie er’s gelernt hatte und vielleicht denken: „Euch kenn ich!“

Ob Oliver den Aalfred noch mal gesehen hat? Oliver glaubt es. Wenn er nämlich unten an der Elbe spazieren geht und das Glockenspiel an der Kirche leise zu hören ist, dann meint er, den kleinen Kopf von Aalfred draußen zwischen den Elbwellen zu sehen, wie er den Tönen zuhört. Aber ganz sicher ist er nicht.

Er will nächstens mal das Fernglas von Opa ausleihen, damit er – vielleicht – Aalfred noch mal sehen kann. Kann man ja auch irgendwie verstehen, oder?

 

Claus Claussen – Die kleine Maus, mit der keiner spielen wollte

Die kleine Maus, mit der keiner spielen wollte – sofort lesen

Es war einmal eine kleine Maus, die war so klein, dass sie niemand sah. Ach je, bin ich klein, bin ich winzig, klitzeklein, mini dachte die kleine Maus ganz bekümmert. Kein Wunder, dass niemand mit mir spielen will.

Da kam ein Eichhörnchen vorbei und die kleine Maus rief: „Hallo, Eichhörnchen, komm, spiel mit mir!“ „Du liebe Zeit“, krätschte das Eichhörnchen, „was bist du doch für ein Winzling. Mit so einem Kleinchen spiel ich nicht. Außerdem muss ich heute noch viele Nüsse suchen.“ So sprach das Eichhörnchen und sprang davon. Die kleine Maus war darüber sehr traurig.

Da kam eine Ente vorbei und die kleine Maus rief: „Hallo Ente, komm, spiel mit mir!“ „Ach du liebes Mickerchen, was bist du doch für ein Pünktchen. Mit so einem Winzling spiel ich doch nicht. Außerdem muss ich heute noch im Teich schwimmen und tauchen.“ So schnatterte die Ente und watschelte davon. Die kleine Maus war darüber sehr traurig.

Ein kleines Reh kam vorbei und die kleine Maus rief: „Hallo, kleines Reh, komm, spiel mit mir!“ Das kleine Reh blieb stehen und fiepte: „Mit so kleinen Tierchen wie du spiel ich dich nicht, da musst du erstmal ganz viel wachsen und richtig groß werden, vielleicht dann. Außerdem muss ich meine Mutter suchen, die steht auf der Waldwiese und frisst Gras.“ Und dann hüpfte das kleine Reh schnell davon. Die kleine Maus war darüber sehr traurig.

Dann kam ein Pony vorbei gesprungen und die kleine Maus rief: „Hallo, Pony, komm, spiel mit mir!“ „Du liebes Klitzekleinchen“, wieherte das Pony, was bist du doch für ein Stäubchen im Gras. Mit so einem Zwergelchen spiele ich doch nicht. Außerdem muss ich mir heute noch einen Riesen-Heuballen suchen, ich habe viel Hunger!“ So wieherte das Pony und galoppierte davon. Die kleine Maus war darüber sehr traurig.

Da kam ein großer Elefant vorbei und die kleine Maus rief: „Hallo, Elefant, komm, spiel mit mir!“ „Warum nicht?“ trompetete der Elefant. „Was wollen wir spielen?“

Die kleine Maus war so überrascht, dass ihr zuerst gar nichts einfiel. Schließlich piepste sie: „Vielleicht Verstecken?“ „Das ist unfair“, sagte das der Elefant. „Du bist viel kleiner und kannst dich viel besser verstecken als ich!“

„Das stimmt“, sagte die Maus. Und nach einer kleinen Pause sagte sie: „Wie wäre es mit Fangen?“ „Unfair!“ trompetete der Elefant. „Du bist viel schneller und wendiger als ich!“

„Das stimmt auch“, sagte die Maus und war ein bisschen stolz auf sich. „Wie wäre es mit dem Spiel: Wer riecht den Käse zuerst?“

„Total unfair!“ trötete der Elefant. „Obwohl ich einen längeren Rüssel habe, kannst du viel besser riechen.“

„Das stimmt ja auch“, meinte die kleine Maus und dachte: Ich kann eine ganze Menge, was andere Tiere nicht können. Dann sagte sie zum Elefanten: „Es ist gar nicht so leicht, ein großer Elefant zu sein!“ „Das kannst du wohl laut sagen“, sagte der Elefant, „aber was wollen wir jetzt spielen?“

„Ich weiß nichts!“ piepste die Maus. „Ich schlage vor“, trompetete der Elefant, „wir spielen, die Mäuseprinzessin reitet auf ihrem Königselefanten.“ „Au ja, “ schrie die kleine Maus. Und das taten sie dann auch. Und alle Tiere, die vorbeikamen, staunten sehr. Das Eichhörnchen, die Ente, das kleine Reh und auch das Pony. Sie machten soooo große Augen.

Und dann spielten sie noch: Die Maus schaukelt am Schwanz vom Elefanten. Und dann spielten sie auch noch: Die Maus rutscht dem Elefanten den Buckel herunter. Und dann spielten sie noch: Elefant und Maus finden einen großen Schatz. Und das war alles so schön!

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen die kleine Maus und der große Elefant noch heute.

 

Claus Claussen – Der Löwe und der alte, listige Hase

Der Löwe und der alte, listige Hase – sofort lesen

Hoch oben auf einem Berg in der afrikanischen Savanne lebte einst ein großer, starker und mächtiger Löwe. Er verjagten alle anderen Löwen von seinem Berg – er wollte ganz alleine der Größte und Stärkste sein. Der Löwe fraß jedes Tier, was er kriegen konnte – und das waren nicht wenige. So kam es, dass alle Tiere schreckliche Angst vor ihm hatten. Sie fürchteten sich Tag und Nacht, zitterten und konnten nicht mehr schlafen.

Einmal versammelten sich alle Tiere unten am Berg und überlegten hin und her, was sie gegen den Löwen ausrichten könnten. Nach langen Diskussionen machten sie endlich dem Löwen einen Vorschlag. An jedem Tag sollte sich ein Tier freiwillig vom Löwen fressen lassen. Dann könnten sich alle anderen Tiere sicher fühlen und müssten nicht dauernd Angst haben.

Dem Löwen war das recht, er stimmte sofort zu und freute sich gleich auf seine nächste Mahlzeit. Zur Verwunderung aller Tiere meldete sich als erster Freiwilliger ein alter, listiger Hase. „Ich tue es!“ brummte er. Aber bei sich dachte er: „Wie immer muss ich sehr schlau sein, wenn ich lange leben will.“ Außerdem dachte er: „Es ist unglaublich. Alle machen immer das, was der Löwe will. Aber ab heute soll das ganz anders werden!“ Er wusste nämlich ganz genau, was er tun musste.

Der Hase hoppelte nun ganz langsam auf den Berg hinauf. Der Löwe oben auf dem Berg, dem der Magen recht knurrte, brüllte vor Zorn: „Was hoppelst du so langsam? Weißt du nicht, dass ich Hunger habe?“ Der Hase hoppelte langsam weiter und sagte: „ Das kann schon sein, Löwe“, sagte der Hase, „ aber weiter unten auf dem Berg wollte mich gerade schon ein anderer Löwe fressen. Ich bin ihm mit großer Mühe weggelaufen…und jetzt kann ich halt nicht mehr so schnell.“

„Was, was…ein anderer Löwe auf meinem Berg“, brüllte der Löwe, der keinen anderen neben sich ertragen konnte, „wie sah er aus?“ Der Hase antwortete listig: „Mindestens so groß und stark und prächtig wie du!“ „Das glaube ich nicht, so einen gibt es nicht“, brüllte der Löwe. „Führe mich zu ihm, damit ich ihn von meinem Berg verjagen kann!“

„Er hat sich versteckt“, sagte der Hase, „ aber ich kann ihn zu finden.“

Und dann tat er so, als ob er dem Löwen gehorchte und führte ihn zu einem tiefen Brunnen. „Da ist er drin“, sagte der Hase, „mindestens so groß und stark und prächtig wie du! Guck nur hinein, Löwe.“

Neugierig sah der große Löwe in den Brunnen hinein…und sah sein eigenes Spiegelbild im Wasser. „Verschwinde! Sofort!“ brüllte der Löwe und sprang voller Wut in den tiefen Brunnen und ertrank dort.

Als die Geschichte von dem alten, listigen Hasen bekannt wurde, bewunderten ihn alle Tiere. Er hatte den mächtigen Löwen mit Mut und Verstand bezwungen und sich nicht vor ihm gefürchtet…und das fanden alle gut.